Instabil

Über eine Liebe, Co-Abhängigkeit und Borderline

Enttäuschend in mehrfacher Hinsicht

Der Titel weckte mein Interesse, der Untertitel meine Erwartungen - und sie wurden leider enttäuscht. Ich bin selbst Borderlinerin und habe bereits mehrere destruktive Beziehungen, auch mit Borderline-Partnern, hinter mir. Ich hatte gehofft, in dem Buch etwas über die komplex verwobenen Muster zu erfahren, die vor allem in Borderline-Beziehungen wirken, in denen es eher die große Ausnahme ist, wenn der Partner einer Borderline-Persönlichkeit NICHT co-abhängig ist.

Leider enttäuschte das Buch bereits in dem Punkt, dass es sich nicht wirklich um eine Liebesbeziehung sondern eher um eine enge Freundschaft handelt und die unterliegt vollkommen anderen Regeln. Durch die echten Liebesbeziehungen, die der Borderline-Protagonist in diesem Buch immer wieder hat, bekommt der Leser am Rande einen Eindruck von deren Heftigkeit und Intensität. Doch die Haupthandlung des Buches geht daran leider völlig vorbei.

Was mich von den ersten Seiten an irritierte ist die Fähigkeit der Frau, welche die Rolle der Co-Abhängigen einnimmt, ihr eigenes Verhalten in der Beziehung zu reflektieren. Das ist für Co-Abhängige vor allem zu Beginn einer Liebesbeziehung vollkommen untypisch. Denn da wird man hineingezogen wie in einen Strudel und es gelingt einem nur mit Mühe und meist erst nach dem Abklingen der ersten Verliebtheit überhaupt wieder einen klaren Gedanken zu fassen und sich zu vergegenwärtigen, in was man sich da verstrickt hat.

Der co-abhängige Part wird in diesem Buch viel zu überlegt und distanziert dargestellt. Sicher, sie schafft es nicht wirklich, sich aus der Beziehung zu lösen, aber sie hängt auch nicht so tief drin, wie es in der Realität meist der Fall ist. In einer Liebesbeziehung ist Co-Abhängigkeit vernichtend, sowohl für denjenigen selbst als auch für die Beziehung. Co-abhängige Partner fühlen sich unvollständig, wenn der andere nicht da ist, gehen in die Überanpassung aus Angst vor Ablehnung, verlieren völlig jegliches Gespür für eigene Bedürfnisse und versuchen den Partner zu kontrollieren und nach ihren Vorstellungen zu ändern. Ist der Partner unerreichbar, stürzen sie in tiefste Verzweiflung, und wenn er ihnen zugewandt ist, haben sie das höchste Glück auf Erden. Von all dem ist in diesem Buch nichts zu spüren. Die Geschichte wird zwar aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt, aber von ihren Gefühlen bekommt der Leser kaum etwas mit - von denen des Borderline-Partners noch weniger.

Und wenn die Autorin der Frau schon ein gewisses Maß an Selbstreflektion zugesteht, wäre es doch ein Ansatz gewesen, sie auch über die eigenen, tieferliegenden Muster reflektieren zu lassen und so dem Leser einen Erkenntnisgewinn zu verschaffen. So aber lässt die Autorin weder den Leser selbst entdecken, was bei den Partnern abläuft, weil tiefergehende Beschreibungen von Gefühlszuständen und Handlungsmotiven fehlen, noch lässt sie die Protagonistin darüber selbst Erkenntnisse ziehen.

Auch der Schreibstil des Buches hat deutliche Schwächen. Ich habe mich gefragt, warum die Autorin ausschließlich Dialoge nacherzählt und nicht die Protagonisten direkt in Dialogform erzählen lässt. Das hätte dem Buch mehr Lebendigkeit gegeben. So wirkte die Erzählung immer etwas verkrampft, zumal sie sprachlich auch nicht besonders ausgefeilt ist - von den Interpunktionsfehlern mal ganz abgesehen.

Insgesamt ein Buch, das die Erwartungen nicht erfüllt, die es weckt. Borderline und Co-Abhängigkeit - eigentlich eine spannungsgeladene und emotionale Beziehung, wovon in diesem Buch leider nichts rüber kommt. Ebensowenig dient das Buch Betroffenen dazu, sich selbst auf die Spur zu kommen, um aktuelle oder künftige Beziehungen besser handhaben zu können. Schade.

Autor(en): Christa Windmüller
Genre: Roman/Biographie
Seiten: 97
Erstausgabe: 2012
ISBN: 978-3939586203
Verlag: Starks-Sture
Link Verlag: www.starks-sture-verlag.de/index.php/Buecher/detail/instabil/
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